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Historie

Das Bürgerhaus

Bürgerhaus Hundelshausen

Herausgegeben vom Verein für Dorfgeschichte

Allgemeines

Bürgerhäuser oder Dorfgemeinschaftshäuser möglichst in jedem Ort
zu errichten oder einzurichten, war ein Programm im neu gebildeten
Bundesland Hessen unter seinem ersten Ministerpräsidenten Ernst August Zinn
Sie waren vergleichbar den Kulturhäusern in der DDR, die von bürgerlichen Gaststätten und von
kirchlichen Einrichtungen unabhängig machen sollten.
Arme Familien erhielten nun eine Gelegenheit zu Feiern mit etwas mehr
Teilnehmern. Gemeinschaftsveranstaltungen sollten ohne großen Finanzaufwand möglich werden.

Sie wurden verstanden als ein Beitrag zu der neuen Demokratisierung und als eine Stärkung des ländlichen Raumes.

Gastwirten war ein Dorn im Auge, dass Landesmittel in Höhe von 70 bis 80 % der
Kosten finanziert wurden. Nebenher dürfte das Programm der regierende
SPD auch Wählerstimmen gesichert haben.
In Hundelshausen gab es in den 60er Jahren noch drei Gaststätten mit jeweils einem geräumigen Saal. Darum wurde für dieses Dorf ein Konzept entwickelt, welches den Saal weniger ausdehnte. Die Hessische Heimat wurde mit der Ausführung beauftragt, vertreten durch Architekt Köhler aus Simmershausen unter Mitwirkung von Herr Gröling aus Trubenhausen.

Standortsuche:

Als Standort für das Bürgerhaus stand zu Diskussion der damalige Pfarrgarten Ecke Kasseler Strasse/Spitzenweg oder Abriss der alten Schule (erbaut 1907) dem jetzigen Standort.
Das Schulgebäude an der zentralen Kreuzung war entbehrlich geworden und wurde abgerissen. Heute hätte man es wohl als Rahmen stehen gelassen, weil es das Ortsbild prägte. Damals aber wurden öffentlich
Bauten möglichst mit Flachdach versehen. Zeichen der Gleichheit aller Bürger.

alte Schule


Bewilligungsbescheid vom 29.4.1969

Bauvolumen 385.000,- DM davon Gemeinderäume mit 45.000,-

Eigenanteil 43.000,-
Darlehn 50.000,-
Kreiszuschuss 35.000,-
Landeszuschuss 200.000,-
Gemeinschaftsarbeit 15.000,-




Abbruch alte Schule


Bauausführung: vom März 1969 bis Oktober 1970 wurde die Anlage mit Saal, Küche, Toiletten, Verwaltungsräumen, Kegelbahn und Nebenräumen insbesondere eine Anlage für Luftgewehrschießen errichtet.


Planung und Bauleitung: Hess. Heimat Herr Köhler, Herr Gröling

Ausführende Firmen:

Abbrucharbeiten: Fa. Walter Söder, Hundelshausen
Erd-, Maurer-, Betonarbeiten: Fa. Walter Söder, Hundelshausen
Zimmerarbeiten: Fa. Hilmar Kanngießer
Klempnerarbeiten: Fa. Schmidt Unterrieden
Dachdeckerarbeiten Fa. Hempel Eschwege
Dachdeckerarbeiten Fa Heupel
Asphaltarbeiten Fa. Deutsche Asphalt, Kassel
Elektroarbeiten Fa Köthe Hundelshausen
Fliesenarbeiten Fa. Palombit, Witzenhausen
Gesimsarbeiten Fa. Hilmar Kanngießer
Innenputz Fa. Bindbeutel, Trubenhausen
Sanitärinstallation Fa. Schmidt Unterrieden
Schreinerarbeiten Fenster/Türen Fa. Peter Gundlach Hundelshausen
Innenausbau Fa. Horst Kanngießer Hundelshausen
Heizungsbau Warmwasser Fa. Trubel, Eschwege
Heißluft Fa. Schwendt, Witzenhausen



Einweihung: Am 10. Oktober 1970

Ehrengäste:
SPD - Bundestagsabgeordneter Egon Höhmann
Staatssekretär Seibolth Hess. Ministerium
Landrat Wilhelm Brübach
Kreisbeigeordnete Inge Orth
Bürgermeister Georg Zindel
Vorsitzender der Gemeindevertretung Gerhard Möller

Nutzung der Einrichtung

Das Bürgerhaus wurde rege genutzt.
Gerda und Hans Schmidt waren die ersten Betreuer der neuen Einrichtung.
Gisela Siebold als Nachfolgerin als Wirtschafterin und Betriebsleiterin wusste stets den richtigen
Ton zwischen den vielen und verschiedenartigen Menschen zu finden, und sie wurde zunehmend wie eine Dorfmutter empfunden. Kleine und große Familienfeiern fanden statt, von denen manche mit den Jahren
zu Großereignissen wurden. Gemeindeverwaltung und anschließend die Stadtverwaltung hatten Arbeitsräume und hielten Sprechstunden ab, ebenso das Ortsgericht.
Sitzungen von Gremien und gelegentlich Bürgerversammlungen hatten hier ihren Ort.
Im vorderen Raum gab es die Gemeindebücherei, geführt von der Lehrerin Waldmann.
ln den 90er Jahren lud auch der Kirchenvorstand zu manchen Veranstaltungen hierher ein.
Für die Lebenshilfe des Altkreises wurde das Haus ein Stützpunkt mit wöchentlichem Tanz und manchen Kaffee-Nachmittagen.
Die Chöre wichen bei Bedarf hierher aus.
Starken Zulauf hat der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuzes.
Ferner nutzten auch auswärtige Familien und auswärtige Firmen das Bürgerhaus zunehmend.
Wegen der guten Auslastung war hier der Zuschuss der Stadt geringer als bei jedem andern Gemeinschaftshaus.
Räume auf der Südseite wurden 1988 zu einem weiteren kleinen Saal samt einer kleinen Küche umgebaut. Die "Hephata - Stube". Weil die akustischen Verhältnisse zunächst unerträglich waren, bestellte der Ortsbeirat Wandteppiche aus Wolle, die die Behinderten in Treysa webten.

Ab 1980 jedoch zeigten sich schon die Mängel der Flachdächer. Regen tropfte an verschiedenen Stellen durch, und selbst das Mauerwerk wurde allmählich geschädigt. Bei einer Landratswahl standen mehrere Auffangwannen in der Eingangshalle. Aber erst ein Artikel "Der blaue Topf" im Gemeindebrief und drei darauf bezogene Nummern im nächsten Kirmes-Umzug brachten die Stadtverwaltung in Bewegung.
Um nicht den ganzen Baubestand zu gefährden, wurde schließlich nach der Jahrtausendwende beschlossen, abschnittsweise die heutige Dachlandschaft aufzusetzen.

Set den 90er Jahren war die finanzielle Lage der Stadt durch bundespolitische und teilweise städtischen Entscheidungen immer katastrophaler geworden, und es gab Gedanken, alle Bürgerhäuser zu schließen.
Nachdem Vorbild anderer Dörfer gründeten Hundelshäuser 2004 einen "Kulturverein" zum Erhalt der Einrichtung.
Er ist für die Bewirtschaftung und Instandhaltung verantwortlich. Er erhebt Benutzungsentgelt, und er beteiligt Einwohner an Pflegemaßnahmen.
Die bisherigen Ergebnisse stimmen hoffnungsvoll.



Aufgestellt im Jan 2005 G. Ohlendorf, W. Brübach

 
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